Selig sind die Unschuldigen

von Knut

Als Ayn Rand ihre Streitschrift Für den neuen Intellektuellen veröffentlichte, richtete sie ihren Angriff nicht nur gegen politische Systeme, sondern gegen eine geistige Haltung: gegen Intellektuelle, die ihre Fähigkeit zum Denken nicht zur Aufklärung, sondern zur Rechtfertigung von Macht einsetzen. Rand nannte sie „Geisterbeschwörer“ – Wortführer des Unwirklichen, die Gefühle, Kollektive und moralische Nebel gegen die Realität in Stellung bringen.

Dem stellte sie das Ideal des Tatmenschen entgegen: den produktiven, selbstverantwortlichen Menschen, der handelt, schafft und denkt, statt zu verwalten, zu beschwichtigen oder zu manipulieren. Für Rand war klar: Wo Intellektuelle sich vom Denken lösen und stattdessen politische Narrative bedienen, dienen sie nicht mehr der Gesellschaft, sondern ihren Unterdrückern.

Die Aktualität dieser Analyse drängt sich heute erneut auf. Wieder lassen sich Intellektuelle und Künstler beobachten, die sich bereitwillig in den Dienst politischer Parteien stellen, Kampagnen moralisch adeln oder Kritik durch Gesinnung ersetzen. Die Frage ist daher nicht, ob Ayn Rands Text noch relevant ist – sondern wie unangenehm präzise er unsere Gegenwart beschreibt.

Ein Geisterbeschwörer fühlt sich in einer freien Gesellschaft wie ein Ausgestoßener. Er fühlt sich, als ob er aus dem Teil des Universums gestoßen worden wäre, den er für andere deuten wollte: Die moralische Richtschnur sein. Bestimmen, was das Gute ist und wie es wirkt.

Geisterbeschwörer nennt Ayn Rand die, die ihre Stimme in der Öffentlichkeit dazu benutzen, die Opfermentalität zu verbreiten, Leistung und Erfolg schlechtzureden und Altruismus als Weg zum guten Leben verkaufen.

Selig sind die Unschuldigen – und auf sich selbst gestellt

So ein Geisterbeschwörer kann mit Unschuld nicht umgehen. Er hat nichts in der Hand gegen einen Menschen, der nicht danach strebt, in Schuld zu leben.

So ist auch der einfachste Rat, wie du mit ihnen umgehen kannst: Kümmere dich um deinen eigenen Weg. Lass dir keine Schuld einreden und strebe nach dem Gesetz von Thelema. Denn dann bist du für dein Leben verantwortlich und Verantwortung und Schuld schließen sich aus.

„Der Geisterbeschwörer hat nichts in der Hand gegen einen Menschen, der seinen Fähigkeiten vertraut, der stolz ist auf seine Arbeit und den Wert seiner Werke (Produkte, Dienstleistungen oder Kunstwerke). Weder so ein Experte noch sonst jemand hat etwas in der Hand gegen den, der sich mit unerschöpflicher Energie und Ehrgeiz antreibt, um besser und besser zu werden; der willens ist, Strafen für eigene Fehler anzunehmen und Belohnung für seine Leistung erwartet, der das Universum mit dem unerschrockenen Eifer eines Kindes ansieht und weiß, dass er hier Sinn stiften kann. Ein Mensch, der gerade Linien, klare Begriffe und präzise Definitionen verwendet, der im vollen Sonnenlicht steht.“

(Zitiert nach Ayn Rand: „Für den neuen Intellektuellen“)

Geisterbeschwörer verbreiten in der Welt einen trüben Nebel. Ein produktiver Mensch meidet den trüben Nebel des Versteckten. Er meidet er die Pfade, auf denen die Geisterbeschwörer schlurfen. Die Experten des Nebels und der Schatten sind eine Art von Geisterbeschwörer, so wie Gríma Schlangenzunge aus Tolkiens „Der Herr der Ringe“.

Gríma ist Ratgeber von König Theoden vom Reitervolk Rohan und arbeitet im Geheimen für den Zauberer Saruman. Dem König von Rohan redet er Krankheiten ein, die sich angeblich nur dadurch heilen ließen, dass Théoden die anstrengenden Staatsgeschäfte Gríma überlässt. Der König erstarrt, aus seiner Haut wird Borke wie bei einem Baum, im Film wird das deutlich gezeigt, bis endlich Gandalf den ganzen Spuk beendet.

Wie ist der Geisterbeschwörer?

Während der mittelalterliche Geisterbeschwörer den Menschen bloß befahl, die Gültigkeit ihres Verstandes anzuzweifeln, bestand die Rebellion der Philosophen aus der Proklamation, dass sie daran zweifelten, ob der Mensch sich überhaupt bewusst sei und ob überhaupt etwas existiere, dessen er sich bewusst sein könne. – Ayn Rand

Die Auseinandersetzung zwischen Gewaltmenschen, Theorie-verliebten Intellektuellen und Tatmenschen ist das Hauptthema der Streitschrift „Für den neuen Intellektuellen“ von Ayn Rand. Der nihilistische Intellektuelle verführt die Menschen, indem er Altruismus predigt. Diese Moral spielt dem Gewaltmenschen in die Hand, diese beiden sind seit Jahrtausenden Partner in der Unterdrückung. Der Mensch der rohen Gewalt benutzt Menschen als Mittel für seine Pläne, er braucht deren Zustimmung dazu und die besorgt ihm der Intellektuelle. Die dritte Kraft, der Tatmensch, ist bei Ayn Rand zugleich Erkennender und Wollender: Er ist Unternehmer und Befreier, Held und Romantiker – und das einzige Licht für eine lichte Zukunft.

Ayn Rand hat den Thelemiten beschrieben, ohne Thelema zu kennen.

Statt Gnade, Schuld: Gerechtigkeit

Was sagt das „Buch des Gesetzes“ zu Gnade und Schuld und Unschuld? In Hadit Vers 5:

„Siehe! Die Rituale der alten Zeit sind schwarz. Die Schlechten sollen verworfen werden, die Guten sollen vom Propheten gereinigt werden. Dann wird dieses Wissen richtig werden.“

„Ein wesentlicher Bestandteil der Rituale des „Neuen Äons“ ist der, dass jede Möglichkeit der Verantwortungsübertragung entfällt“, schreibt MDE im Kommentar zum Vers. Auch die Idee des Opfers ist damit obsolet. Weiter MDE: „Jeder Mensch ist für sich und seine Handlungen selbst verantwortlich. Es gibt keine ‚Beichte‘, keinen ‚verzeihenden‘ Gott oder Vater mehr, keine Verantwortungsübertragung, keine Schuld und keine Gnade. Du bist ein Stern und nur dir als Stern verantwortlich, kein anderer kann dir das abnehmen.“

So sei es!

Informationen zum Autor

Knut Gierdahl

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