Zeitzeichen, Juli 2020: EU Billionen aus dem Nichts, Helge Schneider und das neue Äon

von Knut

In den letzten Tagen hatte ich mit unseren Büchern zu tun, darum ist dieser Artikel liegen geblieben. Eigentlich wollte ich ihn schon am vorigen Wochenende veröffentlichen. Ich frage mich: In was für einer Zeit leben wir nur?

Es gibt zwei Anlässe für diese Frage:

  1. Die Mitgliedsstaaten der EU beschenken sich am verlängerten Wochenende 18.-20. Juli 2020 mit eintausendachthundert Milliarden Euro, um für die nächsten Jahre genauso weitermachen zu können wie bisher. Und falls doch nicht – dann kann man mit einer Erhöhung der Geldschwemme um das Dreißigfache rechnen; was wurde vor ein paar Jahren um 7 Milliarden für Griechenland (Grexit oder nicht) für ein Wind gemacht! Läppische 7 Milliarden! Nach sowas kräht heute kein Hahn mehr.
  2. Am 17. Juli 2020 stellt Helge Schneider sein neues Lied vor, passenderweise als Video auf Youtube. „Ich stell mein Herz auf ebay rein“.

Marokkokrise, drohender Staatsbankrott der EU

Was die Staatschefs mal am Wochenende abkasperten, ist für mich ein Moment gewesen, wie ihn vielleicht Oswald Spengler beim „Panthersprung nach Agadir“ erlebte. Ein Moment von Klarheit und fassungslosem Erschrecken. Die Welt verliert Ordnung und Maß. Etwas Fremdes bricht ein … Damals wurde Spengler bewusst, dass das Abendland untergeht (die Geschichtsschreibung vergisst solche Vor-Zeichen gern, um erst 1914 ins Katastrophengejammer einzustimmen). Daraufhin begann er im Jahr 1911, an seinem Hauptwerk „Der Untergang des Abendlandes“ zu schreiben.

Geschichte wiederholt sich.

Ohne Parlament geht es viel einfacher!

1933 wurde im Deutschen Reich das Ermächtigungsgesetz verabschiedet. Das war die gesetzliche Grundlage, auf der die Regierung legal ohne Parlament handeln konnte. Wie man heute so sagt, ein Freibrief für Hitler. Heute lässt man so ein prekäres Gesetz weg (ja ich weiß: die EU erlässt Richtlinien, keine Gesetze) und diktiert trotzdem munter an allen demokratischen Institutionen vorbei, wenn es eine „Krise“ erfordert. Siehe Ermächtigungsgesetz.

Und wieviele solcher „Krisen“ hat die Europäische Union schon produziert?

Mir ist dabei deutlich geworden, dass ich den Regierungen nicht mehr den Respekt zubilligen kann, den ich gegenüber Nachbarn, Kunden im Supermarkt, also Hinz und Kunz sozusagen, für angemessen halte und mühelos aufbringe. Regierungspolitiker sind Parias. Nicht, dass ich die persönlich nicht mag. Sondern die ganze Kaste hat sich aus dem Kreis menschlicher Verhaltensweisen und Normen rausgeschossen.

Ist das schon mal jemandem aufgefallen, dass sich die Regierungschefs der EU vorzugsweise am Wochenende und nachts treffen? Dann, wenn anständige Leute Zuhause sind, haben die, die etwas heimlich tun wollen, die Möglichkeit dazu. Die regeln mal eben so Sachen wie Milliardengeschenke für kaputte Staaten oder gleich für alle Staaten auf einmal. „Fiat money“. Was unterscheidet diese Intrige vom Staatsstreich?

Soll ich jetzt davon reden, dass die EU pro forma noch als Demokratie vorgestellt wird, dass also das Parlament die oberste Instanz sein sollte? – Ich lasse das, es wäre nur albern. Auffällig:

1. Repräsentation des Staates

Eine Kernfrage für Staaten ist die Frage der Repräsentation, also, wie zeigt sich der Staat der Gesellschaft und den anderen Staaten. Kurz: Wie teilt dieses komplexe Gebilde „Staat“ mit, dass es existiert? Staatsempfänge, Ehrenbezeugungen, Paraden gehörten früher dazu. Frau Merkel hat das für Null und Nichtig erklärt. Es gibt ein Foto vom Treffen Merkels mit Donald Trump im Juli 2018: Da stehen auf dem Beistelltisch diese kleinen 0,2l Einweg-Plastewasserflaschen. Mineralwasser aus Plasteflaschen wurde gereicht, wenn Merkel den US Präsidenten einlädt – …

Und jetzt trafen sich die Chefs im Konferenzzimmer wie zu einem Wochenend-Workshop. Das Vorgehen scheint praktisch, damit sich die Großen arrangieren können, ohne von anderen gestört zu werden. Aber das schlägt zurück: Die Staaten vernachlässigen die Repräsentation, die Hinterzimmerpolitik düpiert das EU Parlament (eh eine gesichtslose Farce) und die Kluft zwischen Staat und Gesellschaft wächst.

2. Notwehrrecht

Ich erwarte sinkende Zahlungsmoral in allen Ländern der EU, vom Schwarzfahren bis zu Steuervermeidung. Wieso sollte ein ehrlicher Mensch Steuern zahlen, wenn ihm die Regierungen unisono vormachen, dass man Geld eben nicht verdienen muss, sondern sich einfach schenkt, wenn man ansonsten Unbequemlichkeiten hätte! Da der kleine Mann keinen Zugriff auf die Notenbank hat, bleibt ihm als Pendant nur dies: Zahlungen verweigern, wo immer das möglich ist. Das fällt unter Notwehrrecht. Denn die eintausendachthundert Milliarden, die an zwei ruhigen Tagen so eben aus dem Hut gezaubert werden, heizen die Geldentwertung (Wohlstandsvernichtung) notwendig weiter an.

Diese Politik setzt auf Heimlichkeit und Umschleichen der demokratischen Prozesse. Das macht Schule! So eine Politik führt vom Ideal der offenen Zukunft immer weiter weg. Das Krisenmanagement der EU verschließt Zukunft. Die Union zwingt Generationen von Europäern in eine unmenschliche Welt aus Angst, Neid und Idiotie. Die Schnelligkeit, mit der die Typen heute was zusammenzimmern, legt Europa für die nächsten Jahre fest. Und das immer mehr und mehr, mit jedem als Krisenfall erlogenen Einzelfall mehr. Die Zukunft wird festgelegter und enger. Politiker können das brauchen, Menschen nicht. Für heutige Politiker sind Sachzwänge viel einfacher, als freie Entscheidungen denn wer entscheidet, muss begründen und argumentieren. Und dem Anderen zuhören.

Freiheit des Erschaffens

Wir gestalten unser Leben. Wir brauchen Freiheit zum Erschaffen. Das ist unser Recht und das nehmen wir uns. Wir werden die Bestrebungen unterlaufen, wenn unsere Zukunft versklavt werden soll. Wer durch eigenes Tun anderen Menschen Wahlmöglichkeiten wegnimmt, der will uns nur als Rädchen in der Maschine.

Doch das Chaos lässt sich nicht besiegen! Das Leben – auch von EU Insassen – ist größer, bunter als die Apparatschiks glauben. Das Chaos greift in das Räderwerk ein. Die fanatischen Pläne scheitern. Die Maschine hat Fehlfunktion: Sei es eine Katastrophe, eine Serie seltsamer Zufälle, ein Vergessen, ein kleines Malheur … das reicht.

Bei dem Billionenpoker war offenbar keiner dabei, der auf die Kraft des Menschen vertraut. (Ich gebe es zu: Was sollte so jemand dort?, ist eine rhetorische Frage). So jemand würde im Angesicht einer schwierigen Zukunft (die selbstgemacht ist; nur zur Erinnerung!) etwa die Mehrwertsteuer auf 3 oder 5 Prozent senken. Oder er würde den Fehlbetrag auf die Ministerien aufteilen und es denen überlassen, wie sie passende Sparpläne umsetzen. Entweder das oder etwas Ähnliches – anstatt Billionen aus dem Nichts zu pusten!

Dass es so lief wie es lief, zeigt, dass dem Staat Menschen egal sind. Politik bedient nur noch sich selbst. Das einzige Übel, dass die Regierungschefs(!!) abwehren wollen, ist, dass Politik und Verwaltung und die Staatsbediensteten in die Bredouille kämen. Denn die Staatsbediensteten sind ihre Klientel – noch; ich bin sicher, auch dieses Band hält nicht mehr lange.

So. Und was ist mit Helge Schneider?

zum Video auf Youtube

Wenn ich mal das Herumalbern, die Komik (gerade in der Verstärkung von Bild und Text – handwerklich exzellent gemacht) abziehe, was bleibt dann übrig? Eine grausam leere einsame Welt. Helge als trauriger Clown.

Ich weiß, dass man es nicht so sehen muss. Aber probier es mal, vielleicht nach ein, zweimal ansehen. Dann noch einmal: Schau hinter das Komische. Vielleicht siehst du … die müde Hilflosigkeit der Gesten, das Papierherz am falschen Ort, die Szenen, wo der Darsteller sich abwendet von der Kamera usw. Und der unbeholfene Text.

Und jetzt?

Das war für mich gleich zweimal der Ausbruch des Wahnsinns. In der Zwischenzeit zwischen zwei Äonen, wenn das Alte verbraucht ist und viele glauben, es sei das Ende der Welt. Ich war froh, dass ich mit der Druckvorbereitung für Bücher zu tun hatte, das hat mir geholfen, die Balance zu wahren und das auszuhalten, ohne die Wände hochzugehen.

Thelemiten haben eine Aufgabe, sich selbst gegenüber und auch gegenüber der Welt. Mal ehrlich: Wer die Vision von Thelema nicht hat, wie hält der das aus. Die letzten Menschen haben die EU erfunden.

Es bringt nichts, sich dagegen zu stellen. Dagegen sein reicht nicht, es zerreibt einen nur. Darum bilde dich, verfeinere und vervollkommne dich und verbreite das Geheimnis des Neuen Äons: Was viele für das Ende halten, ist nicht Kollaps oder Katastrophe, sondern Hokuspokus armer Seelen ohne Sinn, Stolz, Lebensfreude. Hilf ihnen. Lebe ein anderes Leben.

Informationen zum Autor

Knut Gierdahl

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