Zwischenbericht zum Pyramiden-Bauvorhaben 2018-2025

Von den Ägyptern der dynastischen Epoche wissen wir durch ihre Pyramiden. "Lasst uns eine Pyramide bauen", sagte der Pharao und sie bauten eine.

Wie wäre das heute?

1994 richtete mir ein Freund meinen ersten Computer ein (486er mit 40 MHz - eine Rakete!). Er spielte mir einige Spiele drauf. Da ich davon keine Ahnung hatte, ließ ich ihn machen. Eins dieser Spiele war "Dogfight" (Microprose). Das hatte einen faszinierenden "What if ...?" Modus. Da konnte man einen Doppeldecker aus dem Ersten Weltkrieg gegen eine MIG oder eine Spitfire antreten lassen. What if ...? - Was wäre, wenn diese Flugzeuge aus verschiedenen Epochen sich begegnen würden? Das war die Frage. Ganz analog dazu: Was wäre, wenn Ägypten heute wieder einen Pharao bekäme?

Nehmen wir es einmal an. Ägypten würde wieder vom Pharao regiert werden. Dass der sich gruseln würde, dieses Land als sein Reich anzunehmen, ist gut möglich, bleibt aber hier außen vor. Unser Pharao, Nachfolger der Gottkönige der alten Zeit, würde eine Pyramide wollen.

Wozu denn eine Pyramide?, wäre die erste Frage, der er sich wohl ober übel stellen müsste. Er könnte anworten: "Um den Gottkönig im Jenseits ein würdiges Heim zu bereiten und einen Ort, den die Götter gern aufsuchen". Die zu erwartende Gegenfrage: "Welche Götter"? Und wenn man erst einmal so anfängt, ergeben sich bald weitere Fragen.

Braucht er denn wirklich eine Pyramide? Wenn ja: Was spricht sachlich gegen einen Besuchertunnel? Oder reicht vielleicht ein kleinerer Bau, eine Art Bungalow? Die Anforderungen an die Statik lassen sich dann einfacher errechnen ... Und das ist noch nicht alles. Wie kann man dem Wähler eine Pyramide vermitteln?, fragt der Politiker ängstlich seine Berater. Ein Schwimmbad wäre besser oder eine Schule. Zumindest wollen diese Fragen erwogen sein, wenn es eine parlamentarische Monarchie ist (unseliger Kompromiss - ein wahrscheinliches Szenario).

Die harten Geschütze: Naturschutz undsoweiter

Soweit parlamentarische Strukturen bewahrt werden, werden sich auch NGOs zur Frage äußern. Ist diese Pyramide nicht eine Gefahr für das Biotop? Dort leben seltene Skorpione und eine phlegmatische Erdmännchenfamilie, die müssen eingehend untersucht und natürlich geschützt werden.

Selbst, wenn alle Einwände (außer den Erdmännchen) ausgeräumt würden, wären genung Zweifel gesät, damit das Vorhaben fortan als "umstritten" gekennzeichnet würde. Dann tritt irgendein Bedenkenträger mit der Frage an die Öffentlichkeit: "Ist diese Pyramide eine Gefahr für den sozialen Frieden"? Sie muss, wenn sie gebaut wird, auch für die Armen in den Slums sein. Die haben genauso ein Recht auf eine Pyramide. Dagegen würde die Frage, ob für dieses Wüstenstück überhaupt ein Bebauungsplan vorliegt, ein Randthema für die Verwaltungsbüros bleiben.

Es sei denn ...

Selbst die königlichste Geduld dürfte mittlerweile am Ende sein. Der Pharao würde, wenn optimistisch veranlagt, auswandern, statt den Fortgang der beschwingten Diskussion abzuwarten. Eine Sache jedoch könnte ihm in die Hände spielen. Sollte die ägyptische Fußballnationalmannschaft die Quali zur WM 2018 schaffen und in der Vorrunde Zweiter werden (neenee, Erster können sie nicht werden, so utopisch bin ich nicht) - dann könnte eine riesige neue Pyramidenanlage in der Wüste erbaut werden und kein Hahn (Kritiker) kräht danach. Das wäre dann die die ägyptische Variante von "Goodbye, Lenin!"

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Über den Autor

Interessen: Thelema, Kunst, Gesellschaft. Ich will eine Welt, auf die ich mich freue, wenn ich mir vorstelle, dass ich sie später wieder betrete. Die jetzige taugt mir noch nicht. Der Blog ist ein Teil unserer groß angelegten MultiWelt Verschwörung:
Verführung, Ansteckung mit Phantasie, Austreibung von Stumpfsinn. Mehr darf ich noch nicht sagen :-)