Wechsel und Stabilität

Wer bietet zehn Dollar für ne Mark? Ne Mark für neun Groschen? Niemand? Welche Währung soll's denn sein? Was ist überhaupt eine Währung? Der Mackensen weiß es und sagt es uns: die Geldordnung. Kurz und bündig. Was ist eine Geldordnung? Dazu schweigt der Mackensen, ich springe ein: Sie ist die Ordnung des universellen Tausch- und Sammelmittels von Leistung. Geld akkumuliert Lebenszeit.

Die Währung

Es währt, was während der Zeit stabil bleibt. Währung ist das, was (die Ressourcen, die sonst verloren gingen) bewahrt und was als zeitunabhängiges "Ressourcendepot" gewahrt wird. (Sonst gibt es Inflation, da werden die gestern erschaffenen Werte vernichtet). Stabil ist, was sich nicht wandelt - oder was sich optimal (lebendig) wandelt. Im Bild: Eine Goldmünze oder ein Waldläufer zu Frühlingsbeginn. Die Münze ändert sich nicht. Der Waldläufer wechselt von dicken Winterpelzen auf leichtes Sommerleder, so bleibt er bestmöglich an die wechselnden Klimate angepasst.

Variabel: Was heißt "sich wandeln"? Wo ist der Messpunkt oder besser, der Beobachtungspunkt, und wenn ich schon so frage, dann weiter: was ist das Beobachtungsziel? Denn eine Absicht leitet alles Beobachten und lenkt es auf die Beobachtungsabsicht hin. Wo ist der Beobachtungspunkt, das ist die entscheidende Frage.

  • Im Falle der Goldmünze: gleich bleibender Glanz, keine Korrosion, das Gewicht bleibt gleich, Gold wird nicht umgeschmolzen. Die Münze ändert sich nicht. Es ist der Inbegriff des Beständigen geworden. Und vielleicht deshalb heute so unmodern.
  • Beim Waldläufer: Er wechselt die Kleidung, um andere Klimate zu kompensieren und bleibt in seiner Vertrautheit mit der wilden Natur gleich. Gleich beweglich, gleichermaßen freundlich zu Freunden und väterlich zu Fremden. Der Waldläufer wechselt sein Äußeres, um weiterhin bestmöglich an die veränderte Wetterlage angepasst zu sein.

Fazit

Es gibt die zwei Betrachtungen zu Stabilität und sie sind nicht deckungsgleich zu machen. Da bleibt stets eine Kluft, entweder ... oder ... (Sicher, sicher: Es gibt noch die dritte Betrachtung, die dialektische von Herrn Hegel. Davon lass ich diesmal die Finger. Sonst geht nach zwei Sätzen das Sandmännchen um).

Zwei Varianten auf Thelema

Noch einmal die Begriffsverdopplung, in einem anderen Kontext. Probieren wir "Stabilität" (und Wandelbarkeit) in Thelema aus.

1. Variante

Stabil bedeutet: Die Rituale werden durchgeführt, wie Crowley sie geschrieben hat. Doch halt, ich schaue nochmal hin und sehe im traditionellen Selbstverständnis doch lauter Unterschiede! Die Führung des Ordens erfolgt nicht so, wie er ihn führte. (Stattdessen müßige Streits um die wahre Nachfolge). Die zielführende Ausbildung wie im Equinox festgehalten, wie in Cefalu ausprobiert, wird nicht mehr praktiziert. Und es gibt genug, die alle Differenzen nicht sehen (nicht sehen wollen). Das ist vielleicht das größte, das einzige Hindernis, das sich die auf Stabilität (Originalität, Ursprungstreue) geprägte Deutung von Thelema aufbürdet.

Vielleicht ist der Schein der Stabilität nur um den Preis des Nicht-Sehens zu haben? Man wähnt sich wahrhaft thelemitisch, original, usw.

2. Variante

Stabil bedeutet: Den Geist von Thelema erfassen. Den Geist formulieren. Ihn in Experimente gießen, die die Grundidee anders/ besser (so hofft man :) erlebbar machen oder die neue Aspekte entdecken lassen. Mit Skepsis wird alles von AC geprüft (hat er ja auch gemacht!).

Der Weg hat von Anfang an mehr Vagheiten und wirft Fragen auf. Variante 2 ist vager als Variante 1. Und auch quirliger, riskanter, mit riesigen Chancen, die der Nachgang in Crowleys Spur nie wieder bringen kann.

Und nochmal beide zusammen

Was wichtig ist: So unterschiedlich Thelema als Religion und als Experiment sind, so verschieden der traditionelle religiöse und der gebrochen gewandelte Entwurf sind, sie haben etwas gemeinsam. Beide Varianten sind geschaffen, gewollt (Wille) und bewähren sich nur durch ihre inspirierende und heilende Kraft.

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Über den Autor

Interessen: Thelema, Kunst, Gesellschaft. Ich will eine Welt, auf die ich mich freue, wenn ich mir vorstelle, dass ich sie später wieder betrete. Die jetzige taugt mir noch nicht. Der Blog ist ein Teil unserer groß angelegten MultiWelt Verschwörung:
Verführung, Ansteckung mit Phantasie, Austreibung von Stumpfsinn. Mehr darf ich noch nicht sagen :-)