Hadit - der Wille, Warum und Weil

Wenn Wille hält und schreit 'Warum?' und dadurch 'Weil' beruft, dann steht der Wille still und tut so nichts. Liber L vel Legis, Kapitel II, Vers 30. Der Vers zeigt das Verhältnis von Rationalität und Aktivität.

Die Warum-Frage muss vor Beginn des Handelns entschieden werden. Die Warum-Frage kann nur aufgegeben werden, sonst verliert man sich im unendlichen Begründungsregress: Auf jedes 'Weil' folgt das nächste kausal-ursächliche 'Warum?'.

Die einzige Alternative ist die Wozu-Frage. Wozu will ich das erreichen? Das ist die Frage für Menschen, die sich nicht wie Automaten aus-rechnen. Wer die wahre objektive wirkliche Quelle seiner Handlungen in einer stimulierten Gehirnzelle oder einem schockierten Supergen sucht, der braucht bald einen Psychiater oder sonstigen Geisterbeschwörer.

Ansonsten ist der Vers vielleicht auch eine lakonische Antwort auf die Frage, wann wieviel Selbstwahrnehmung wichtig sei. Und hier kann sich der Mensch, der sich selbst nie fraglich wird, grinsend in die Brust werfen: mein Wille hält nie! (Und er weiß nie, wohin ihn dieser Antrieb, den er für Wille ausgibt, treibt).

Neuen Kommentar schreiben

knut's picture

Über den Autor

Interessen: Thelema, Kunst, Gesellschaft. Ich will eine Welt, auf die ich mich freue, wenn ich mir vorstelle, dass ich sie später wieder betrete. Die jetzige taugt mir noch nicht. Der Blog ist ein Teil unserer groß angelegten MultiWelt Verschwörung:
Verführung, Ansteckung mit Phantasie, Austreibung von Stumpfsinn. Mehr darf ich noch nicht sagen :-)