Was bedeutet die Energiewende aus thelemischer Sicht?

Die Frage nach einer Weltgesellschaft, die sich ökologisch organisiert, stellt sich immer drängender. Um so mehr, als kein Tag ohne Katastrophenmeldungen darüber vergeht, was alles dieser Grundidee zuwiderläuft. Der Eindruck: Uns läuft die Zeit weg.

Ökologie kommt von Oikos. Oikos (gr.) bedeutet der Weltkreis. Ich verstehe das so: die Welt wird als ein Ganzes gedacht, also bedeutet Ökologie ein Verständnis und Handeln, wo alles mit allem ausgeglichen wird und nichts vorschnell auf Kosten eines 'Restes' gemacht wird - so etwas wäre nicht ökologisch.

Es scheint, als werde alles immer schlimmer, das Klima, das Müllaufkommen, fremdartige Nahrungszusätze, bedrohte Arten - das sind Beispiele für nicht ökologischen Umgang mit der Welt, die uns beschäftigen.

Darum werden seit Jahren viele Experten auf die Lösung dieser Fragen angesetzt und werden ständig größere Geldbeträge eingesetzt. Die deutschen Automobilhersteller wetten derzeit ihre gesamten Rücklagen in Autos mit Elektromotor. Das bisherige Geschäft wird herangezogen, um die Milliarden aufzubringen, die die elektrische Zukunft braucht.

Vor wenigen Jahren gab es etwas Ähnliches im Internet. Social Media Marketing. Kein Unternehmen wusste, was das fürs Geschäft bringt. Irgendwann gab man die Frage auf, weil a) man sich einig war, dass Social Media die Zukunft sei und b) man den Gewinn in etwas anderem suchte als im ROI. Worin auch immer. ... Und so geht es heute noch.

Ist die "Energiewende" vielleicht letztlich ohne Bedeutung? Sind es nicht milliardengroße Wertevernichtungen für Wetten auf ein Wunder in der Zukunft? Wenn man es so nimmt, wären die Gewinnchancen nicht vernachlässigbar unwahrscheinlich? Zugespitzt: Inwieweit wird die Welt besser, wenn akkubetriebene Elektroautos durch sie fahren?

Wäre entscheidend vielleicht: Weniger Autos, ein Bewusstseinswandel, das heißt, eine andere Lebensform?

Und wie käme man zu weniger Autos auf den Straßen, wenn es nicht durch Strafe und Verbot erzwungen würde? Denn jeder legt für sich fest, welchen Stellenwert Mobilität hat. Wo und wie jemand einkauft, Unterhaltung sucht, nach Sonderangeboten jagt, kann man nicht ohne die Lebensweise begreifen. Also auch: wie viele Autos die Familie braucht und wie häufig die bewegt werden, das hängt mit dem ganzen Gespinst an Interessen und Bedürfnissen und Wichtigkeiten zusammen, das jeder Mensch lebt.

Was ist die Ursache der zunehmenden Bewegung, Autoverkehr, Warentransporte, Tourismus/ Flugverkehr? Vielleicht innere Un-Ruhe? Vielleicht: Die meisten Menschen sind unruhig, haltlos und rastlos. Alles Erleben, aller Erwerb - so bunt, modern, prestigeträchtig, exklusiv es auch sei - befriedigt nur oberflächlich. Es fehlt Tiefe, Sinn, schöpferische Aneignung. -- Wenn das zuträfe, dann wäre der Vorsatz, die (ständig in größerem Ausmaß benötigte) Energie anders zu erzeugen, nur der Nebenschauplatz. Das macht Menschen nicht heil.

Was heute gemacht wird, ist lediglich die Durchsetzung der Macht des Staates über die Interessen und Ziele der Menschen hinweg. Und die Menschen, die machen auch nichts anderes, wenn sie so weiter fahren wie bisher, nur auf Elektro. Das heißt ja nur, dass wir im Zeitalter der Technik leben (Heidegger). Ich verstehe das als die Zwischenphase zwischem Altem und Neuem Äon. Die Technik stellt alles auf seine "Zuhandenheit" (Heidegger) ab, fasst und erfasst die ganze Welt in ihrer Zuhandenheit. Zuhandenheit, kurz gesagt: Dass etwas zur Hand ist, damit man es gebrauchen kann. Damit man es umgestalten, umformen kann, die Ressource im Baum/ im Ozean/ im Wind verfügbar machen und so nutzen, wie man es braucht. Bei Heidegger heißt Technik, dass die gesamte Welt auf ihre Verwendbarkeit, ihre Nützlichkeit hin aufgeschlossen wird, von der menschlichen Zelle bis zum Ozean und dem Sonnenlicht.

Darin ist noch der Machtwahn des Monotheismus wirksam, ausgeweitet auf den Oikos, auf die Seele des Menschen, auf eine Welt, die als physikalisch (tot) berechenbare Maschinerie missverstanden wird. Dieser Ansatz, diese Wissenschaftsgläubigkeit können nie zu etwas anderem führen als wieder zum Alten.

Und wenn alles andere gelöst wäre: Ist die Welt, in der die Menschen keine Dichtung mehr schätzen, Tanz nicht schätzen, Spiele nur als Zuschauer mitnehmen, Kunst zum Pop verkommt, Lesen im Internet "out" ist, sinngemäßes Verstehen eine Seltenheit geworden ist ... ist diese Welt, wenn Windräder und E-Autos darin rollen, noch eine lebenswerte Welt, ja überhaupt noch eine "Welt" im Sinne des Weltkreises, der ALLES Lebenswerte Lebendige umschloss? Ich denke, nein.

Thelema ist anders. Thelema kennt Wege und bahnt Wege zu einer lebendigen, beseelten Welt. Die Kasper der Energiewende können es nicht denken, dass Nuit 'der unendliche Raum' ist 'und die unendlichen Sterne darin'. Sie sagt uns in dem Vers, dass sie, der Raum, unendlich und lebendig ist. Aber man kann nicht um eine lebendige Welt wissen und anhand physikalisch-naturwissenschaftlicher Theorien die Gesellschaft umplanen, damit alles schön theoriekonform verläuft. Das kann man der Welt nicht antun und den Menschen nicht, die als Individuen wert sind, die sich nicht verrechnen lassen. Nur wenn Welt und Gesellschaft unlebendig sind - und das sind sie in den alten Theorien nun mal - also, wenn sie für tot gehalten werden, dann können die Techniker ankommen und ihre Pläne darüber breiten.

Und Thelema hat noch was Gutes. Thelema gibt es ohne Marketingabteilung, die die 2% guter Ideen, die jemand hatte, in Slogans pressen und einen damit zuschwallen, bis keiner mehr hinhören mag.

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Über den Autor

Interessen: Thelema, Kunst, Gesellschaft. Ich will eine Welt, auf die ich mich freue, wenn ich mir vorstelle, dass ich sie später wieder betrete. Die jetzige taugt mir noch nicht. Der Blog ist ein Teil unserer groß angelegten MultiWelt Verschwörung:
Verführung, Ansteckung mit Phantasie, Austreibung von Stumpfsinn. Mehr darf ich noch nicht sagen :-)