Die Lücke zur Freiheit - eine besondere Art von Ruhe

Meine Heiligen Bücher helfen mir, die Ruhe zu finden. Ich meine das nicht nur als eine Unterbrechung. Ich meine keine Pause im Alltag, denn die wäre für sich genommen Wellness. Sondern die Ruhe, von der ich hier spreche, ist die "Lücke zur Freiheit".

Zwischen Reiz und Reaktion gibt es eine Lücke. Das ist die Lücke zur Freiheit.

Die Lücke zur Freiheit hat verschiedene Aspekte. Ich will einige aufzählen, die mir besonders wichtig sind:

1. Ruhe als Unterbrechung von Gewohnheiten

Mit Ruhe meine ich, die Notwendigkeiten des Lebens für eine Weile sein zu lassen. Lebensnotwendigkeiten nehmen viel Zeit in Anspruch. Einkaufen gehen, Geld verdienen, Reparaturen am Haus, die Wohnung putzen, usw. Die Notwendigkeiten bewältigen heißt nicht: zu spielen, heißt auch nicht: zu lernen, sondern sie sind Mittel zum Zweck. Indem ich solche Tätigkeiten aussetze, ist schon mal ein bisschen was gewonnen. - Aber das alleine wäre noch zu wenig.

2. Ruhe als Aufhellen der Stimmung

Ruhe: kein Gedudel, keine Unterhaltungsmusik. Als Dauerprogramm im Hintergrund färben Musik oder Radioprogramm die Stimmung ein und lenken den Gedankenstrom des Unbewussten.

3. Bewusstheit

Still werden heißt, bewusster zu werden. Was bedeutet bewusst? Ich muss etwas ausholen, um das zu beantworten.

Einer der Grundbegriffe, um Entwicklungsvorgänge darzustellen, ist der Begriff des kognitiven Lernens (auch: strukturierendes Lernen). Kognitives Lernen ist die aktive Aufnahme und Verarbeitung von Informationen und ihre Umsetzung in ein Modell. Ein Modell wird auch als "kognitive Repräsentation" bezeichnet, darum "kognitives" Lernen. Es gibt zwei Arten des kognitiven Lernens, Lernen durch Anpassung und Lernen durch Einsicht. Lernen durch Anpassung geschieht unbewusst. Lernen durch Einsicht ist bewusst. Ja, man kann Bewusstheit und "Lernen durch Einsicht" synonym gebrauchen. Wen das Thema weiter interessiert, dem kann ich "Techniken der Bewusstseinserweiterung" von MDE wärmstens empfehlen.

Ich meine hier also die Stille, in der ich eine neue Einsicht gewinne. Ich spreche nicht davon, mal "abzuschalten".

4. Ruhe: sich erinnern

Die Lücke zur Freiheit heißt auch, Abstand zu gewinnen zu dem, was alle für wahr und richtig halten. Manchmal gehen mir z.B. Begegnungen durch den Sinn, die ich früher am Tage hatte. Mir fällt plötzlich in der Erinnerung etwas auf, das ich zuerst nicht beachtet hatte, als ich so beschäftigt war.

5. Die Lücke nutzen

Stille finden heißt, kreativer zu werden.

Es gelingt mir vermehrt, Alternativen abzuwägen, wo ich erst nur eine Variante sah.

Stille heißt: mich besinnen, was ich will.

Zufrieden sein mit dem, was ist: Was wir uns aufgebaut haben, was klimatisch, gesetzlich, finanziell oder sonstwie möglich ist, zufrieden mit der Versorgungslage sein.

6. Gleichmut: Den Preis der eigenen Wünsche berechnen können

Das was nicht zu ändern ist, mit Gleichmut hinnehmen.

Es gibt vielleicht nur sehr wenig, was partout nicht zu ändern wäre - aber vieles wäre mit enormem Aufwand verbunden. Beides zu sehen, ist mir wichtig. Ich hatte vor Jahren erwogen, mich gegen die "Rundfunkgebühr" zu wehren. Ich fand Ratschläge, wie man vorgehen soll, die enthielten sogar den Mustertext für die Klage, die ich einreichen solle (je mehr das tun, desto besser!) Und ich solle mich mit Gleichgesinnten zusammentun und soll nicht auf die angedrohte Zwangsvollstreckung reagieren - oh je! ... da bekommt 'Zivilcourage' wieder eine Bedeutung! Binnen zwei, drei Jahren sei alles, hoffentlich zufriedenstellend, ausgegangen. -- Und so etwas wäre im Weltmaßstab nur ein klitzekleines Vorhaben. Denken wir an die Expansion der Menschheit auf einen fernen Planeten; die Senkung der mittleren Erdtemperatur - das wären Projekte von enormem Umfang.

Statt mich in ein(e) Problem(lösung) zu verrennen, ist es förderlicher, frühzeitig den Aufwand zu überschlagen und mich ans Ergebnis zu halten, wenn der Überschlag ergibt: '... ist zu viel'. Wo der Aufwand in diesem Sinne 'zu hoch' wäre, sage ich vereinfachend, es ist nicht zu ändern. Was nicht zu ändern ist, will ich gleichmütig lassen. Denn ich habe anderes vor.

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Über den Autor

Interessen: Thelema, Kunst, Gesellschaft. Ich will eine Welt, auf die ich mich freue, wenn ich mir vorstelle, dass ich sie später wieder betrete. Die jetzige taugt mir noch nicht. Der Blog ist ein Teil unserer groß angelegten MultiWelt Verschwörung:
Verführung, Ansteckung mit Phantasie, Austreibung von Stumpfsinn. Mehr darf ich noch nicht sagen :-)