Die Geschichte von der kleinen Katze und dem kleinen grauen Morgen

Ein grauer Morgen und dann ...

Hallo kleine süße Katze.
Es ist schön, dich zu sehen.
Die kleinen Puschelpfoten, die rosa Sohlen, die zarte Nase und die tiefen, jadegrünen Augen.
Draußen steht der neue Tag.
Er trägt grau. Er ist eben aufgestanden, ...


Hier siehst du den kleinen grauen Morgen, er ist gerade aufgestanden und überhaupt nicht erfreut, dass alles so grau ist. Schmodderwetter - und er steht draußen (Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass das kein guter Start in den Tag ist). Aber seid froh, dass ihr nicht dabei wart, als er aufwachte! Zum Glück kann ein Bild nicht schreien oder poltern, wie es der kleine graue Morgen kann ... Die Stiefel sind gelb, obwohl ich geschrieben habe, dass sie grau sind. Aber auch gelb wird seine Laune nicht bessern, glaub's mir.

... dann hat er durchs Fenster reingeschaut, und hat die kleine süße Katze gesehen. Weil du dich in deinem kleinen Luftschiff zusammengerollt hast, so rund gerollt, dass man nur Flauschfell sieht: Keine Tatzen, keine Sohlen, kein Schnurrhaar, keine jadegrünen Augen.


Hier schläft unser Kätzchen noch. Das Luftschiff ist natürlich kein echtes Luftschiff zum Fliegen, sondern es heißt so, weil sie auf ihrem Flauschkissen wie auf Wolken so weich ruht. Außerdem kann ich das Kätzchen auf dem Kissen von einem Zimmer ins andere tragen, wenn sie schläft. Denn das Luftschiff hat einen kleinen Rand ringsum, einen kleinen Wall (ebenso flauschig), wo sie die Pfötchen einstemmen kann, damit sie wirklich nicht rausrutscht.

Da kratzt sich der kleine Morgen an der Nase – das hatte er nicht erwartet. Er wollte dich doch so gerne bestaunen und begrüßen – aber nun? Hm. Er zog sich seine kleine graue Regenjacke an, klappte den Kragen hoch bis zu den Ohren, zog die grauen ollen Gummistiefel an und fing erstmal an zu regnen, weil ihm sonst nichts einfiel. Jetzt steht er immer noch da, patscht von einem Gummistiefelfuß auf den anderen, hat den Kopf zwischen die Schultern gezogen, die Hände in die Taschen gestopft. Alles macht er grau, schwer und nass.

Was meinst du, kleine Katze? Wollen wir aufstehen? Willst du rausgehen und den missmutig vor sich hin grummelnden und brummelnden Tag begrüßen? Wenn er dich sieht … vielleicht hängt er die Regenjacke nochmal weg, wischt sich die nasse Locke aus dem Gesicht, grüßt und winkt.


Hier hat der kleine graue Morgen schon sichtlich bessere Laune. Kätzchen hat schon mit den Ohren gewackelt, ein gutes Zeichen. Daraufhin hat er sich gleich die Regentropfen aus den Haaren gestrichen. Sieht schon fast herbstlich trocken aus, oder?

Wenn er dann noch dem Wind Bescheid sagt, dass du im Garten spielst, kommt der auch ganz schnell dazu. Vielleicht bringen die beiden die Sonne mit. Wir wissen ja, dass die Herbstsonne hierzulande gern Urlaub macht. „Üsch vertraak das Wetter nüsch,“ sagt sie. Es ist ja kein Wunder. Sie steht bis zum Hut in dicken Wolken. Und der kleine, graue Tag hört nicht auf sie, ihm ist langweilig, weil – ? Na? Weil er die kleine Katze nicht sehen kann. Genau. Also streck' dich und geh' nach Draußen, dann sehen wir weiter.


Ach! Du hast die Augen aufgemacht, jetzt wird alles gut. Der kleine graue Morgen seufzt erleichtert, er hat dich auch gesehen, wobei er sich fast die kleine Nase plattgedrückt hat. Aber das zeigen wir nicht.

Die Bilder hat Martina Yilmaz gemalt, als ich ihr die Geschichte erzählte, so wie sie sich wirklich zugetragen hat. Sie hat genickt, so wie jemand nickt, der dabei war. Und dann hat sie es gezeichnet. Ich hätte sonst nicht gewusst, wie ich euch den kleinen grauen Morgen vorstellen soll. Danke! :-)

Kommentare

Angela

Eine hübsche Geschichte vom kleinen grauen Morgen, dem grauen Tag und der kleinen - aber nicht grauen - Katze.

Der Tag ist so etwas wie der große Bruder vom kleinen Morgen? So hab ich mir´s anhand des ersten Bildes vor allem vorgestellt.
Ziemlich strenger Bruder wäre das ;-)

Vielen Dank euch beiden.
Angela

Hallo Angela, du hast den allerersten Kommentar geschrieben, tattaaa! Danke, freut mich sehr, dass du her gefunden hast! :) Und natürlich, dass dir die Geschichte gefällt. Das Kätzchen ist allerdings auch grau. Ich muss dir da widersprechen, sie besteht darauf.

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Über den Autor

Interessen: Thelema, Kunst, Gesellschaft. Ich will eine Welt, auf die ich mich freue, wenn ich mir vorstelle, dass ich sie später wieder betrete. Die jetzige taugt mir noch nicht. Der Blog ist ein Teil unserer groß angelegten MultiWelt Verschwörung:
Verführung, Ansteckung mit Phantasie, Austreibung von Stumpfsinn. Mehr darf ich noch nicht sagen :-)