Wozu hat Michael D. Eschner Bücher geschrieben?

Ein Experiment um die Frage: Wozu hat MDE Bücher geschrieben? In seinem Schriftwerk zeigte er seine Werte. Wenn man sich die Werte vergegenwärtigt, findet man Anhaltspunkte für Antworten.

Michael D. Eschner, ZDF Drehtermin
Michael Eschner beim Drehtermin 2004 fürs ZDF. Es war der letzte Auftritt im Fernsehen. Danach gab es keine neuen Skandale und das öffentliche Interesse an dem, was er "sonst noch" machte und wollte, schwand. | © MultiWelt Verlag

Wozu hat MDE Bücher geschrieben? Ich denke, Mike würde uns heute so antworten:

Ich möchte, dass im 28. Jahrhundert jemand meine Bücher liest und sich auf Terra heimischer fühlt. Heimisch mit der Einsicht: Damals hat ein Mensch wie ich gedacht und gefühlt. Er hat gegen die Selbstverständlichkeiten seiner Zeit angeschrieben, der hat die Wüstenei der götterleugnenden Zeit (die leicht in frömmelnden Fundamentalismus kippt) gefühlt, er hat die Verachtung der Menschen gegeneinander gespürt. Er hat all das gesehen und wusste, es ist falsch und die vielen Regeln gegen diese Auswüchse, die Anti-Rezepte sind ebenso falsch.

Er hat die Antwort in Wachstum und Wille und Liebe gefunden, was wir heute als Thelema kennen. (Huch, das kannte der auch schon!) Ohne Menschen wie ihn hätte die Menschheit die Erde gesprengt und verstrahlt und wäre selbst irgendwann im 21. oder 22. Jahrhundert den Bach runtergegangen. Sie war kurz davor. Damals waren Kontinent um Kontinent, Staat für Staat, Stadt für Stadt Nihilisten, Subjektivisten oder Relativisten. (Die Namen der Seuche der Sinnlosigkeit sind Legion)! Dabei waren sie sowas von liebe Menschen, dass es weh tut, erfolgreiche Filme oder Bücher dieser Epoche anzuschauen bzw. zu lesen. Die letzten Menschlein tauschen sich bei kleinen Wehwehchen Hüfte und Lunge aus, bauen Reservate für gefährdete Tiere und töten routiniert durch Ächtung ihre Nachbarn, wenn sie die falschen Gedanken denken. Die Händchen machen sie sich nicht mehr schmutzig dabei. Wer wollte solches "Volk" um sich haben. Schlimmer noch, wenn sie Deine Zeigenossen sind?

Dann musst du damit irgendwie dein Auskommen finden und selbst Mensch: Gott werden und ihnen die mögliche Welt zeigen und die Irrwege ihres Watschelns. Du musst - gesetzt, dass es dir um dich selber geht und um die Zukunft - andere Menschen als Adressaten deiner Zukunftsvision ernst nehmen. Da heißt es balancieren zwischen Wahnsinn, Grenzziehung, Opfer und Liebe.

Das hat der Autor, der Guru und Prophet Michael D. Eschner geschafft. Nicht er allein, das ist nie möglich. Aber als Schreibender und Sprechender einer kleinen Schar Ver-rückter. Als einer von uns. Als einer der ersten Künder vom Horus Äon.

Den alten Begriff Metaphysik (o Krone des Abendlandes! o Leuchtfeuer zu Gott!) können wir nun durch das präzisere Synonym ersetzen: die Welt aus der Sicht der Immortalisten.

*******************

Wie gesagt, vielleicht würde Mike heute so antworten, vielleicht aber auch anders. Frag ihn selbst. Schrift verbindet Zeiten und Räume.

Kommentare

Angel

> der hat die Wüstenei der götter leugnenden Zeit (die leicht in frömmelnden Fundamentalismus kippt) gefühlt, er hat die Verachtung der Menschen gegeneinander gespürt ...

denke, das trifft´s sehr gut. Bzw. hast du schön auf den Punkt getroffen:
Götter leugnen -> den göttlichen Auftrag des Menschen leugnen -> den Menschen (und damit sich selbst) verachten. Andere Menschen dafür als die am nächsten liegende Projektionsfläche zu benutzen ist zwar verständlich, macht es aber nicht besser. Auf für den nicht, der versucht, sie abzuschütteln von sich, die Verachtung. Sie kommt zurück - dreifach!

Knut

Das Hexengesetz beleuchtet die Frage von einer anderen Seite, da gehe ich mit. Du nennst diesen Dreischritt - Götter leugnen - göttliches Potential leugnen - Menschen verachten. Ich hatte mich beim Lesen erst gefragt, ob mir das zu sehr überzeichnet ist. Nach einigem hin und her überlegen finde ich ihn bedenkenswert. Denn diese Abfolge zeigt, wo wir ansetzen / anfangen müssen, um etwas anderes zu bewirken. Und jetzt sitz ich hier und frage mich, ob ich noch was schreibe, zum Thema: Gegenüberstellung von 'an Götter glauben' und 'Götter erfahren'. Aber heute nicht mehr. Ich will noch spielen :)

liebe Grüße
Knut

Angela

Dreischritt vielleicht insofern, als ich nach einem Verbindungsglied zwischen "Götter leugnen" und "Menschen verachten" suchte. Wir können, ohne offene Türen einzurennen, bei jeder dieser drei Verhaltensgewohnheiten mit Fragen ansetzen, ob sie wirklich so selbstverständlich sind.

Götter glauben versus Götter erfahren.
Dazu fällt mir ein, dass sowohl im Konzept, Götter glauben als auch in jenem, sie zu leugnen, der Alte Eine Gott eine Rolle spielen könnte. Den getötet zu haben, wie Nietzsche es formulierte, war ja immerhin ein Anfang: "Ist das nicht eben Göttlichkeit, dass es Götter, aber keinen Gott giebt?" (Nietzsche: Zarathustra, Von den Abtrünnigen)
Lieben Gruß Angela

Neuen Kommentar schreiben

knut's picture

Über den Autor

Interessen: Thelema, Kunst, Gesellschaft. Ich will eine Welt, auf die ich mich freue, wenn ich mir vorstelle, dass ich sie später wieder betrete. Die jetzige taugt mir noch nicht. Der Blog ist ein Teil unserer groß angelegten MultiWelt Verschwörung:
Verführung, Ansteckung mit Phantasie, Austreibung von Stumpfsinn. Mehr darf ich noch nicht sagen :-)