Michael D. Eschner

Mike Eschner 2003Michael D. Eschner
Foto: Sommer 2003

 

Kurzüberblick

Kurzvorstellung mit eigenen Worten: "Verwundert beratender Astrologe, nachdenklich-visionärer Thelemit; Gründer des Thelema-Ordens; gequälter Autor und Übersetzer diverser Bücher." Die letzte Aussage mag überraschen, denn Michael Eschner (1949 - 2007) war ein sehr produktiver Autor. Über 40 Bücher schrieb er, knapp die Hälfte ist noch unveröffentlicht. Lieblingsmusik: Jazz (Miles Davis), Johnny Cash, Lieblingsfilm "Casablanca".

Wie alles anfing ...

Mitten in der 1968er Revolte startete der 19-jährige Eschner seine Karriere als jüngster Immobilien- und Finanzmakler Berlins - er war glühender Mao Anhänger und verehrte Rudi Dutschke. Er verfasst Gedichte, ein Theaterstück bleibt Fragment, er ist Mitverfasser radikaler Gesellschaftsanalysen, kurz darauf gründet er die A.A. Thelema in Berlin und übersetzt Werke von Aleister Crowley, als dessen Reinkarnation er sich sah. Zumindest in den Berliner Jahren war die Nachfolge wichtig; später sank die Bedeutung, gelegentlich ging Michael D. Eschner sogar auf kritische Distanz zu Crowleys Wirken. Michael D. Eschner ist einer der wichtigsten Vertreter der neuen Spiritualität, die Menschen als Schöpfer versteht. Er lebte (für) das Wassermannzeitalter, über das er in all seinen Büchern, Vorträgen und Artikeln schrieb. Thelema hat Wurzeln in der Gnosis und der Postmoderne. Es ist ein einzigartiger Kult und eine riesige Projektionsfläche für Missverständnisse und Ängste traditionell geprägter Menschen. Die Bücher sind ein bescheidener Versuch der Kurskorrektur :)

Der umstrittene Pionier

Michael Eschner gilt als "umstritten". Der Titel steht ihm zu. Er berührt sein Verhältnis zum Tode (wie zum Leben). Politische wie ideologisierende Gegnerschaft und juristische Nachstellung sind Folgeerscheinungen.

Suchender, Lehrer, Autor und Magier

Michael Eschner in BerlinProphet des Horus-Äons, das Tier 666, Therion. Michael D. Eschner, auch bekannt als MDE, sah die Realisierung des Horus Äons als seine Lebensaufgabe. Er war u.a. Schachspieler, Eigentümer des ersten Berliner Sexshops, Autor und Übersetzer, Guru, Berater, begeisterter Spieler, Spieleprogrammierer, Chairman einer Internet-Firma - einer der schillerndsten Thelemiten im deutschsprachigen Raum. Er war der Gründer des Ordens A.A. Thelema 1982 in Berlin. Ein Jahr später wurde die Abbey gegründet. 1985 entstand das "Netzwerk Thelema" (aus der schließlich die "Thelema Society" hervorging); Umzug ins Wendland.

MDE wollte nie eine Massenorganisation gründen, das hatten die 68er konterkariert. Er baute eine Elitegruppe auf, eine eingeschworene Gemeinschaft von Menschen, die ihr göttliches Erbe antreten. Jenseits von Methoden ist Thelema eine Lebensform, die mehr Möglichkeiten und Fragen aufwirft als sie beantwortet. Wie kann der Mensch antworten? Nicht isoliert, sondern seine Antworten leben kann er nur in einem passenden Umfeld. MDE's Leitspruch "Menschen werden durch Menschen zu Menschen" bringt das auf den Punkt. Welchen Wert er Gemeinschaft beimaß, zeigt sich darin, dass er 30 Jahre lang Thelema-Gruppen leitete und seine Wahlfamilie um sich scharte.

Als spiritueller Berater der Thelema Society verfolgte er drei Ziele:

  • Befreiung der Kundalini oder Sicherstellen der Reinkarnation
  • Erlangung des Wahren Willens
  • die Realisierung des Horus-Äons

Thelema als Lebensregel

Dafür war ihm das Liber Legis, dessen Übersetzer und Experte er war, Lebensregel und -orientierung. 30 Jahre beschäftigte er sich und 'seine' Gruppe lesend, schreibend und immer wieder diskutierend mit Philosophie auf der Suche nach Klärungen zur Frage nach Lebenssinn. Es ging ihm nie um Bücherwissen. Es ging vielmehr um Zugänge zu einem anderen Denken, um anders leben zu können.

Am Ende dieses 20jährigen Denkweges stand die Einsicht, dass all die brillianten Denker zwar Bausteine liefern, Perspektiven aufzeigen, Thelema jedoch weit darüber hinausweist. Die Möglichkeiten der Menschen werden durch keinen dieser brillianten Denker erfasst - und Thelema ist anders als alles bisher Gedachte und Gelebte.

Über das befreiende Ergebnis schrieb er selbst: "Die Beschäftigung mit der Philosophie war die Aufarbeitung des altäonischen, hier genauer: alteuropäischen Denkens." Und selbst, wenn man Philosophie daran unterscheidet, ob sie auf Selbstreferenz basiert, ist das noch zu kurz gegriffen. "Das Problem der Selbstreferenz zeigt einfach, dass Philosophie und Religion, wie sie im alten Äon angepeilt und traktiert wurden, so weder erreichbar noch traktabel sind. Genau das ist der Grund, weshalt Nuit sagt: Ich gebe Gewissheit, nicht Glauben!" (Brief, Oktober 2007)

Das Liber Legis braucht die Philosophie nicht, da diese vom Mensch als Erkennendem ausgeht, nicht von "Tu was du willst". Zahlreiche Artikel und größtenteils unveröffentlichte L-Kommentare der letzten Lebensjahre behandeln das.

Du aber bist mystisch rein,
Weil sie dich nicht verstehn,
Der du, ohne fromm zu sein, selig bist!
Das wollen sie dir nicht zugestehn.
(Goethe, "Offenbar Geheimnis")

Bücher von Michael D. Eschner

Die Bücher des Autors finden Sie in unserem Katalog sämtlicher Schriften des Autors Michael Eschner. Außerdem, sofern bei MultiWelt verlegt, in der Titelliste.